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Industrie 4.0 versus Gleichstrom

Von |2018-05-03T15:30:19+00:0026. April 2018|Kategorien: Energy, Industry|Schlagwörter: , , , |0 Kommentare

Die wahre Revolution in der Fabrik seien nicht neue Fertigungsmethoden im Zuge von Industrie 4.0, das Internet of Things oder die Digitalisierung, sondern ein althergebrachtes Konzept namens Gleichstrom. So die Meinung der Wirtschaftswoche anlässlich der gerade stattfindenden weltweit größten Industrieschau, der Hannover Messe.

Tatsächlich ist es so, dass der Gleichstrom – vor allem seit dem Start der Energiewende – (s)ein Comeback feiert. Und das nicht nur im Fall großer Stromtrassen, die mittels Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) Strom aus Windrädern vor den deutschen Küsten im Norden in die Industriezentren im Süden transportieren. Auch im Niederspannungsbereich, also auf Gebäude- und Geräteebene – hier kommen unter anderem Fabrikhallen oder Rechenzentren ins Spiel – findet Gleichstrom zunehmend Fans. Die Vorteile:

  • Die Verluste bei der Umwandlung von Wechselspannung in Gleichspannung sinken; die Energieeffizienz steigt
  • Wandler, die Gleichstrom in Wechselstrom transformieren, entfallen, große Netzteile werden überflüssig, die Investitionskosten sinken
  • Erneuerbare Energien aus Wind, Sonne und Biomasse lassen sich einfacher in das Stromnetz einbinden; die Energiewende geht schneller voran.

Gleichstrom: Auf den richtigen Umgang kommt es an

Dabei ist Gleichstrom jedoch noch nicht so gut erforscht wie Wechselstrom und auch in der Normenwelt gibt es weiße Flecken. Die Normungsexperten von VDE|DKE haben deshalb bereits vor zwei Jahren in der Normungs-Roadmap „Gleichstrom im Niederspannungsbereich“ unterschiedliche Aspekte untersucht. Ziel dabei: Handlungsempfehlungen an Forschung und Normung zu geben. Neben wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen standen auch die Sicherheit und Schutzkonzepte sowie technische Gesichtspunkte auf der Agenda. Offene Punkte wie die Klimatisierung, Power Quality, Lichtbögen und der parallele Betrieb von Verbrauchern im DC-Netz werden derzeit in der zweiten Version der Roadmap angegangen.

Prinzipiell äußern sich die Normungs-Experten positiv, was einen Umstieg auf Gleichstrom angeht: Ein grundsätzliches Verteufeln gehe in die falsche Richtung, vielmehr müsse der richtige und sichere Umgang festgelegt und gelebt werden. Wir alle steigen ja auch (fast) täglich ins Auto ein, obwohl wir wissen, dass Benzin leicht brennbar ist. Und genau hier setzt die Arbeit der Normungsorganisation des VDE an – gemeinsam mit allen Stakeholdern, Technologien für eine lebenswerte und sichere Zukunft voranzubringen.

Simone Angster ist Journalistin und seit 2016 beim VDE redaktionell für die Homepage verantwortlich. Abseits des Schreibtisches reist sie gerne mit dem Rucksack durch ferne Länder oder erkundet mit dem Mountainbike ihre Wahlheimat Frankfurt.

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