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Erneuerbare Energien als Chance – African Utility Week

Die beeindruckende Natur Afrikas mag darüber hinwegtäuschen: Die Versorgung der Bevölkerung mit dem Notwendigsten ist in weiten Teilen Zentral- und Südafrikas nicht gewährleistet. Über 600 Millionen Menschen haben auf dem afrikanischen Kontinent keinen Zugang zu Elektrizität. Ein Zustand, den wir uns in einer Welt des Überflusses kaum mehr vorstellen können. Herausforderungen, Lösungsansätze und Maßnahmen standen deshalb im Rahmen der African Utility Week in Kapstadt im Pan African CEO-Forum kritisch zur Diskussion. Großes Potenzial sehen die Energieversorger Afrikas für Erneuerbare Energien.

Erneuerbare Energiesysteme der Zukunft

Experten sagen voraus, dass im Jahr 2050 auf unserem Planeten über 10 Milliarden Menschen leben werden. Laut aktueller Schätzungen werden davon 6,7 Milliarden in Städten mittlerer Größe und Ballungszentren rund um die Millionenmetropolen der Welt konzentriert sein.

Es entwickeln sich mehr denn je polyzentrische Lebensräume. Diese – und dass dürfte jedem bewusst sein – benötigen auch polyzentrische Versorgungsstrukturen mit einer hohen Verfügbarkeit. Erneuerbare Energiesysteme der Zukunft müssen somit polyzentrisch, nachhaltig, ökonomisch, partizipativ und sicher sein.

Herausforderungen eines Kontinents im Wandel

CEO´s der wichtigsten Energieerzeuger und Netzbetreiber aus zentral- und südafrikanischen Staaten diskutierten im Pan African CEO-Forum in zahlreichen Workshops genau diese Schlüsselthemen für die (erneuerbare) Energieversorgung der Zukunft. Sowohl langfristige Strategien als auch alltägliche Zwänge sind dabei bedeutend: Es gelte die Balance zu finden. „Wie gehen wir damit um“, so eine zentrale Frage, „dass weite Teile der Bevölkerung nicht in der Lage sind, regelmäßig ihre Stromrechnung zu bezahlen, da sie über kein geregeltes Einkommen verfügen“?

Die technischen Herausforderungen in Afrika liegen hingegen nicht in der Verfügbarkeit elektrischer Leistung und damit auf der Erzeugungsseite. Die Übertragung und Verteilung der elektrischen Energie, also die Netzseite, gibt Anlass zur Sorge: Für zum Beispiel eine breitflächige Installation von Mini- und Micro-Grids fehlen nachhaltige Geschäfts- und Betreibermodelle. Eine neue Herangehensweise, ein neues Mindset ist gefragt.

  • Das System muss attraktiver für Investoren werden; Voraussetzungen sind:
    – politische und gesellschaftliche Stabilität
    – Transparenz
    – Standards
  • Leuchtturmprojekte, die zeigen wie die erfolgreiche Umsetzung funktioniert
  • ein neues Mindset pro (Weiter-)Bildung der Gesellschaft
  • Sensibilisierung aller Beteiligten:
    – Elektrizität sichert die Grundversorgung (Wasser, Energie, Kommunikation)
    – Elektrizität schafft Arbeit
    – Elektrizität ist eine der Grundlagen für gesellschaftliche Entwicklung.

Im Lauf der Diskussionen wurde klar, dass es ein Entweder-Oder nicht geben kann und wird. Die Zukunft muss ein gemischtes System hervorbringen: mit verschiedenen Technologien (klassische und erneuerbare), mit verschiedenen Topologien (netzgekoppelte und netzunabhängige) sowie mit verschiedenen Geschäftsmodellen (staatliche, industrielle, private).

Wie kann dies gelingen?

  1. Übertragungs- und Verteilnetze ausbauen.
  2. Nutzererwartungen in Bezug auf Energie, Wasser, Kommunikation, Fairness erfüllen.
  3. Vorhandene und bewährte Technologien nutzen.
  4. Geschäftsmodelle partizipativ entwickeln und umsetzen.

Afrika kann sich aus einem umfangreichen Angebot neuer Technologien und erneuerbarer systemischer Lösungen nachhaltiger Energiesysteme bedienen. Neben den genannten Faktoren wird entscheidend sein, nicht erneut die Fehler der Vergangenheit zu machen und die Chancen jetzt im Sinne seiner Bevölkerung zu nutzen. Der VDE unterstützt in zahlreichen Projekten die Entwicklung nachhaltiger Energie-, Mobilitäts- und Bildungsprojekte.

Über

Ansgar Hinz ist seit 2016 CEO des VDE und verantwortet alle Aktivitäten der internationalen VDE Organisation. Privat entdeckt er weltweit gerne "Bilder", die zum Staunen anregen.

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