//Erneuerbare auf der Überholspur, Netzausbau hinkt hinterher

Erneuerbare auf der Überholspur, Netzausbau hinkt hinterher

Von |2018-08-02T13:28:36+00:0013. Juli 2018|Kategorien: Energy|Schlagwörter: , , , |0 Kommentare

Erstmals überholen die Erneuerbaren die Kohle: Im ersten Halbjahr 2018 stieg der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung laut neuesten Zahlen des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) auf rund 36 Prozent. Braun- und Steinkohle gemeinsam kommen auf einen Anteil von „nur“ etwa 35 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr, also dem ersten Halbjahr 2017, legten die Erneuerbaren um über 10 Prozent zu. Damit kommt Deutschland dem angestrebten Meilenstein von 65 Prozent Strom aus Erneuerbaren bis 2030 und dem 80-Prozent-Ziel bis 2050 mit großen Schritten näher. Wären da nicht die bestehenden Netze und Stromerzeugungsanlagen. Beide sind eigentlich nicht für ein hauptsächlich auf Erneuerbaren beruhendes Versorgungssystem gemacht.

Aber was genau bedeutet das? Wenn der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis 2050 auf 80 Prozent steigen soll, dann steht der Betrieb der Stromnetze vor enormen Herausforderungen: Die Vielfalt der Akteure und Marktrollen wächst, ebenso die Zahl von Schnittstellen, Kommunikationswegen und Betriebszuständen. Das einst unidirektionale Netz wird zum komplexen multidirektionalen System. Dem begegnet das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN) mit der Roadmap „Vom Netz zum System“ – ein Arbeitsplan, mit dem sich die erneuerbaren Energien langfristig sicher ins System integrieren lassen. Ein Schwerpunkt dabei: die Digitalisierung.

Herausforderung Erneuerbare: Integration der Elektromobilität und IT-Sicherheit

Insgesamt hat VDE|FNN in seiner Roadmap 13 Themen mit konkreten Aktivitäten und Terminen erarbeitet – in den Feldern: Rollen und Aufgaben, Netz- und Systembetrieb sowie Kommunikationstechnik. Ein Beispiel sind Maßnahmen zur Integration der Elektromobilität in die Netze. Im Mittelpunkt dabei stehen die Nieder- und Mittelspannungsnetze. An sie werden  Elektroautos angeschlossen – als neue, ortsungebundene Verbraucher mit hoher Leistung und Gleichzeitigkeit sowie großem Energiebedarf. Das schafft neue Möglichkeiten der Netznutzung, setzt aber auch Grenzen. Bis spätestens 2019 sollen konkrete Handlungsempfehlungen für die langfristig sichere und zuverlässige Integration der Elektromobilität in die Netze vorliegen.

Ebenfalls bis 2019 will VDE|FNN Anforderungen für die IT-Sicherheit an verschiedene Marktakteure erarbeiten. Da immer mehr Erzeugungsanlagen über das Internet vernetzt sind, steigt das Bedrohungspotenzial. Künftig muss zum Beispiel verhindert werden, dass sich Anlagen unbefugt aus der Ferne steuern lassen. Derzeit gelten die Anforderungen nur für Netzbetreiber. Künftig müssen sie aber auch auf Direktvermarkter, Betreiber von virtuellen Kraftwerken und von Anlagen ausgeweitet werden.

Als technischer Regelsetzer für die Stromnetze in Deutschland trägt VDE|FNN mit der Roadmap „Vom Netz zum System“ zum Gelingen der Energiewende bei. Ziel ist der sichere Systembetrieb, um auch bei einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien in den Netzen die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Simone Angster ist Journalistin und seit 2016 beim VDE redaktionell für die Homepage verantwortlich. Abseits des Schreibtisches reist sie gerne mit dem Rucksack durch ferne Länder oder erkundet mit dem Mountainbike ihre Wahlheimat Frankfurt.

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